Eigenschaften und Herstellung von Luftpolsterfolie

9 min lesen 18 August 2019
Polstermaterial wie Luftpolster spielt eine der wichtigsten Rolle beim Verpackungsprozess – es schützt das Produkt vor Stößen, Dellen und Erschütterungen, so dass es unversehrt und unbeschädigt an seinem Bestimmungsort ankommt. Ein wesentliches Material in diesem Bereich war schon immer die Luftpolsterfolie. Sie ist leicht, stark, weich, einfach zu verarbeiten und bietet erstaunlichen Schutz für fast alles – außerdem macht es großen Spaß sie poppen zu lassen, was übrigens eine sehr stressabbauende Wirkung hat. 😊 In diesem Beitrag konzentrieren wir uns auf die Luftpolsterfolie im Detail; wir betrachten, wie sie hergestellt wird, wie sie erfunden wurde, wie sie für die Verpackung verwendet werden kann und wie man Luftpolsterfolie recycelt.

Wie wird Luftpolsterfolie hergestellt?

Luftpolsterfolie wird aus winzigen Perlen aus Harz hergestellt, fast so klein wie Reiskörner. Verschiedene Harze werden aufgrund ihrer unterschiedlichen Eigenschaften verwendet und zu dem Material kombiniert, dass wir kennen und als Luftpolsterfolie verwenden.

Die winzigen Harzperlen werden bei über 450 Grad Celcius geschmolzen, sie verbinden sich und ein dünner Film wird geformt, der dann das Basismaterial für die Herstellung von Luftpolsterfolie bildet. Die Folie wird auf die gewünschte Dicke abgeflacht, bevor sie durch Rollen mit kleinen Löchern geführt wird (eine Negativform mit bereits gestanzte Vertiefungen in Größe der späteren Noppen).

Während sich die Folie über diese Walzen bewegt, wird Luft angesaugt und in die Noppen geblasen, dies sind die späteren Luftblasen, die der Luftpolsterfolie ihre gute Schutzeigenschaften verleihen.

Anschließend wird die Folie dann über weitere Rollen geführt, die sie mit einer zusätzlichen Folienschicht versiegeln, wobei die Luft im Inneren eingeschlossen wird – die berühmten Luftnoppen sind geboren.

Schließlich wird sie auf Breite geschnitten und perforiert, so dass sie zu großen, industriell gefertigten Rollen aufgerollt werden kann. Nach bestandener Qualitätskontrolle wird sie dann in die ganze Welt verschickt.

 

Herstellung von Luftpolsterfolie

Schritt 1: Die Negativform

Oben im ersten Bild von links: In geschmolzenem, zähflüssigen Zustand wird der Kunststoff auf eine breite Rolle gegossen, die als Negativform bereits gestanzte Vertiefungen in Größe der späteren Noppen besitzt.

Schritt 2: Ergießen über die Rolle

Zweites Bild: Beim Ergießen über die Rolle bildet sich aus dem Kunststoff eine flache, glatte Folienschicht.

Schritt 3: Folie wird angesaugt

Drittes Bild: Mittels Vakuum wird durch die Vertiefungen der heiße Kunststoff eingesaugt, so dass die Folie hier ihre Noppen erhält.

Schritt 4: Die Folien werden verschweißt

Die Folie wird mit einer zusätzlichen Folienschicht versiegelt, wobei die Luft im Inneren eingeschlossen wird.

 

Die Erfindung der Luftpolsterfolie

1957 wurde die Luftpolsterfolie durch Zufall von den beiden amerikanischen Ingenieuren  Alfred Fielding und Marc Chavannes entdeckt, eigentlich waren sie auf der Suche nach einer neuen leicht abwaschbaren und leicht anzubringenden Kunststofftapete. 1959 meldeten sie das so entdeckte Verpackungsmaterial zum Patent an und gründeten die Sealed Air Company.

Über 50 Jahre später wird sie auf der ganzen Welt eingesetzt und ist heute eines der am häufigsten verwendeten Verpackungsmaterialien.

Die FAQ zu Luftpolsterfolie:

Ist Knallfolie recycelbar?

Luftpolsterfolie ist recycelbar! Dieses erstaunliche Material zeichnet sich nicht nur durch einen hohen Schutz aus, sondern wird auch stofflich verwertet! Doch was heißt das genau?

Für den Recyclingprozess wird das Material je nach Einzugsgebiet von privaten Haushalten oder öffentlichen Plätzen abgeholt. Danach wird im vollautomatischen Sortierprozess 95% des Abfalls sortenrein getrennt. In Deutschland werden dann ca. 73% stofflich verwertet. Ist eine stoffliche Verwertung nicht möglich, wird das Material zur Energiegewinnung genutzt. Bei weiteren Fragen rund um die Mülltrennung, die die Voraussetzung für ein hochwertiges Recycling darstellt, kann die Abfallberatung vor Ort weiterhelfen. Der NABU  hat eine Übersicht mit lokalen Abfallberatungen, einfach die Postleitzahl eingeben und die entsprechende Stelle kontaktieren.

Wie nutzt man Luftpolsterfolie zum Verpacken?

Auf dem Transportweg wirken viele äußere Einflüsse auf ein Produkt. Luftpolsterfolie kann auf vielfältige Weise zum Verpacken und Schützen verwendet werden, da sie vor Stößen und Abrieb schützt aber auch Schutz vor Feuchtigkeit bietet, denn sie ist schweißbar und wasserdicht.

Auf welche Seite mit den Noppen?

Die Luftpolsterfolie weist eine flache Seite und eine Seite mit den dämpfenden Blasen auf. Eine häufige Frage, die uns gestellt wird:
“Welche Seite nutzt man um den besten Schutz zu gewährleisten?“
Wir empfehlen immer, die Noppen um den Gegenstand, den Sie schützen möchten, zu wickeln, d.h. in der Regel befinden sich die Blasen auf der Innenseite. Dies bietet den besten Schutz, denn die Noppen dienen zur Abdämpfung von mechanischen Stößen

Wie genau wird Luftpolsterfolie verwendet, um Artikel zu schützen und polstern?

Um einzelne Artikel in Kartons vor Stößen und Dellen zu schützen, wird die Luftpolsterfolie vor dem Einlegen in einen Karton oder einer Schachtel um jeden Artikel.
Verwenden Sie Packband , um die Luftpolsterfolie um den zu verpackenden Gegenstand zu fixieren und fest zu verschließen. Dadurch wird sichergestellt, dass Sie den größtmöglichen Schutz mit dem Polstermaterial erhalten. Wenn es nur lose umwickelt ist, kann es während des Transportes verrutschen und das Produkt ist ggf nicht mehr ausreichend geschützt.
Gerade empfindliche Gegenstände wie beispielsweise Einzelteile beim Fahrrad verpacken werden mit Luftpolsterfolie ideal geschützt.

Wie genau wird Luftpolsterfolie verwendet, um Artikel zu trennen und fixieren?

Wenn Sie Pakete mit mehreren Artikeln im Inneren versenden, kann die Luftpolsterfolie auch zum schichten oder trennen verwendet werden, wodurch eine weiche Luftpolsterschicht entsteht, damit sich die Produkte während des Transportes nicht lose bewegen können. Teilen Sie die Luftpolsterfolie in Quadrate, und diese können sie dann in das Paket zwischen die Artikel zur Polsterung legen.
Es stehen auch andere Luftpolsterverpackungen zur Verfügung, mit denen kleinere, zerbrechliche oder empfindliche Gegenstände auf dem Postweg oder während der Lagerung geschützt werden können. Luftpolsterbeutel bieten hervorragenden Schutz für empfindliche Gegenstände und bieten rundum Polsterung und Schutz. Sie eignen sich hervorragend für die Verwendung mit einem Umschlag oder Karton und bieten eine zusätzliche Schutzschicht.

Was versteht man unter Noppen mit Sperrschicht?

Besonders widerstandsfähig sind Luftpolsterfolien mit Sperrsschicht: Die PE-Folie wird bei ihnen Co-extrudiert, das bedeutet, dass innerhalb der PE-Folie bereits eine Sperrschicht verarbeitet ist, die nahezu keine Luft durchlässt. Dies ermöglicht eine langanhaltende Stoßschutz-Wirkung, da die Luft lange in den Noppen erhalten bleibt. Normale Luftpolsternoppen ohne integrierte Sperrschicht aus Nylon, verlieren Luft über einen längeren Zeitraum. Die Dämpfungswirkung lässt dadurch mit der Zeit nach.

Welche Noppengröße für was?

 

Neben der grünen Luftpolsterfolie und der antistatischen Luftpolsterfolie gibt es diverse Sonderformen. Die Größe der Noppen beispielsweise variiert je nach Verwendungszweck: Je größer der Noppendurchmesser, desto mehr Luft ist als Polsterung vorhanden. Ist mehr Luft innerhalb der Noppen, wächst auch die Noppenhöhe – und die Schutzwirkung. Denn große Noppen können stärkere Stöße abfangen als kleine Noppen.

Kleinnoppige Luftpolsterfolien haben einen Noppendurchmesser von ca. 10 mm. Als Standardgröße haben die Noppen eine Höhe von 4 mm. Sie eignet sich besonders für das Versenden von leichten bis mittelschweren, empfindlichen Produkten.

Großnoppige Luftpolsterfolien haben einen Noppendurchmesser von ca. 25-30 mm, es gibt jedoch auch Noppendurchmesser zwischen 10 – 25 mm. Im Vergleich zur kleinnoppigen Folie wird die Noppenhöhe größer, mehr „Luft“ bedeutet einen größeren Schutz. Sie ist daher besonders für mittelschwere bis schwere und scharfkantige Produkte geeignet.

Was bringt dreilagige Noppenfolie?

Zusätzlich zur standardmäßig zweilagigen Luftpolsterfolie, gibt es auch eine dreilagige Ausführung. Auf den eingangs beschriebenen, zweischichtigen Kunststoff wird eine zweite Deckelfolie angebracht. Die Folie wird dadurch belastbarer als zweilagige Luftpolsterfolie. Es kann auch ein Zusatzschutz angebracht werden, um verstärkende Eigenschaften zu erzielen.

Aufbau der Luftpolsterfolie, zwei- bzw. dreilagig:

Diesen Nutzen bringt eine weitere Lage bei Luftpolsterfolie:

Festigkeit erhöhen

Soll die Folie stabiler werden, kann eine dritte Lage, zum Beispiel aus Papier, nützlich sein. Zum Beispiel mit einer Luftpolsterfolie mit Papierrückseite:

Eine Luftpolsterfolie kann so mit einer weiteren Lage verstärkt werden. Diese weitere Schicht kann aus verschiedenen Materialien bestehen. Für eine besonders stabile Folie, kann Kraftpapier als weitere Lage verwendet werden, dabei wird die Papierschicht bei der fertigen Luftpolsterfolie an die Seite der Noppenöffnung angebracht.

Oberflächenschutz erhöhen

Für oberflächenempfindliche Produkte gegen Kratzer, gibt es die Möglichkeit eine Luftpolsterfolie mit Vliesbeschichtung zu nutzen. Die Vliesbeschichtung besteht in der Regel aus Chemievliesfasern, d.h. es werden Kunststoffe als Fasergrundlage verwendet. Der Vliesstoff wirkt als schützende Kontaktfläche zur empfindlichen Produktoberfläche. Auch hier wird die Festigkeit der 3-lagigen Luftpolsterfolie durch die 4. Lage Vlies erhöht. Im Vergleich zur Luftpolsterfolie mit Papierbeschichtung, ist die Luftpolsterfolie mit PP-Vlies flexibler.

Antistatische Wirkung

Speziell für das Verpacken von elektronsichen Bauteilen oder Produkten gibt es Noppenfolie mit antistatischer Wirkung. Dabei werden die Luftpolsterfolien bereits bei der Herstellung mit Antistatika in Verbindung gebracht. Antistatika sind Zusatzstoffe, die dem Kunststoffgranulat bereits vor der Folienproduktion beigemischt werden. Diese Zusatzstoffe gehen bei der Folienherstellung an die Außenflächen der Folie und ziehen Stoffe an die Außenflächen, die Elektrizität besser ableiten. So können die Produkte davor geschützt werden, dass sie sich elektrostatisch aufladen (geschieht z.B. durch Reibung). Denn Elektrostatische Aufladung kann dazu führen, dass sich elektronische Produkte plötzlich elektrisch entladen. Elektrostatische Entladung (ESD) (= hoher elektrischer Spannungsimpuls) kann zur Schädigung eines Produktes führen. Dies kann vor allem bei elektronischen Baugruppen von Nutzen sein.

Luftpolsterfolie ist also ein Verpackungsmaterial der nahezu unbegrenzten Möglichkeiten!
Welche Noppenfolie die Richtige ist, ist abhängig von 3 Faktoren: Der Produktform, dem Produktgewicht und dessen Empfindlichkeit

  • Form: ist das Produkt beispielsweise scharfkantig, dann sind großnoppige Folien empfehlenswert
  • Das Gewicht: Für schwere Produkte sind großnoppige Folien besser geeignet. Für das Versenden von leichten bis mittelschweren, empfindlichen Produkten sind die kleinnoppigen Luftpolsterfolien optimal.
  • Empfindlichkeit: hat das Produkt beispielsweise eine empfindliche Oberfläche die vor Kratzern geschützt werden muss oder werden elektronische Teile verpackt, die vor elektrischer Aufladung geschützt werden müssen, werden Noppenfolien mit zusätzlichen Eigenschaften benötigt.
Kommentare (2)
    • Das freut uns, denn: Genau dafür sind wir da! 🙂
      Gerne dürfen Sie sich natürlich auch mit Ihren Fragen an uns wenden, die bisher noch nicht im Blog beantwortet wurden.
      Uns hilft immer immens zu hören, welche Fragen „Euch da draussen“ so umtreiben 😉

Eine Antwort hinterlassen

Ihre E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * gekennzeichnet





 

Kategorien