Kunststoff ist aus Industrie, Logistik, Medizin, Lebensmittelversorgung und Versand nicht wegzudenken. Entscheidend ist deshalb nicht die pauschale Frage, ob Kunststoff „gut“ oder „schlecht“ ist, sondern wie Unternehmen ihn auswählen, einsetzen, trennen und nach der Nutzung möglichst hochwertig wieder in den Kreislauf zurückführen. Genau hier beginnt modernes Kunststoffrecycling.
Kunststoff recyceln: So funktioniert Kunststoffrecycling in Unternehmen und Alltag
Wer Kunststoff recyceln oder Plastik recyceln will, braucht vor allem drei Dinge: eine saubere Trennung der Abfälle, recyclingfähige Materialien und das passende Verfahren. In Deutschland wurden 2023 knapp 38 Prozent der gesammelten Kunststoffabfälle werkstofflich und 0,5 Prozent rohstofflich beziehungsweise chemisch verwertet; 61 Prozent gingen in die energetische Verwertung. Für Unternehmen ist das ein klarer Hinweis: Je besser Verpackungen und Produkte auf Recycling ausgelegt sind, desto größer ist der Hebel für Ressourcenschonung, Kostenkontrolle und Kreislaufwirtschaft.
Kunststoffrecycling in Zahlen: Wie groß ist der Handlungsdruck?
Die Bedeutung von Kunststoffrecycling nimmt europaweit weiter zu. Laut Umweltbundesamt fielen in Deutschland zuletzt jährlich mehrere Millionen Tonnen Kunststoffabfälle an. Gleichzeitig steigen die regulatorischen Anforderungen an Unternehmen deutlich.
Nach Angaben von Plastics Europe lag die Recyclingquote für Post-Consumer-Kunststoffabfälle in Europa 2023 bei rund 26,9 Prozent. Trotz steigender Recyclingquoten wird ein großer Teil der gesammelten Kunststoffabfälle in Europa weiterhin nicht werkstofflich recycelt, sondern energetisch verwertet bzw. verbrannt. Neben den offensichtlichen, ökologischen Anforderungen entwickelt sich Kunststoffrecycling für Unternehmen zunehmend auch zu einem wirtschaftlichen und strategischen Faktor. Gründe dafür sind unter anderem:
- steigende Anforderungen durch die PPWR
- höhere Erwartungen von Kunden und Handel
- wachsende Nachfrage nach recyclingfähigen Verpackungen
- steigender Druck zur CO₂-Reduktion
Besonders davon betroffen: Versand, E-Commerce, Industrie und Lebensmittelverpackungen.
Was bedeutet Kunststoffrecycling?
Kunststoffrecycling umfasst alle Schritte, mit denen Kunststoffabfälle oder Plastikabfälle nach ihrer Nutzung wieder zu einem verwertbaren Rohstoff werden. Ziel ist, aus gebrauchten Kunststoffen neue Produkte, Bauteile oder Verpackungen herzustellen (wie beispielsweise Kunststoffpaletten aus 100% recyceltem Kunststoff oder PP-Umreifungsband aus 100% Recyclat)– idealerweise als hochwertiges Rezyklat für neue Anwendungen. Das ist besonders sinnvoll, weil Kunststoffe meist auf fossilen Rohstoffen basieren und ihre Wiederverwertung Rohstoffe, Energie und Emissionen einsparen kann.
Warum ist das Recycling von Kunststoff wichtig?
Kunststoffrecycling ist wichtig, weil es zwei Probleme gleichzeitig adressiert: Es reduziert Abfälle und verringert den Bedarf an Neuware. Gerade bei Verpackungen ist das relevant, weil hier große Mengen an Kunststoffen nach oft kurzer Nutzungsdauer anfallen. Gleichzeitig zeigen aktuelle Zahlen, dass sich Recycling nur dann verbessert, wenn Verpackungen recyclingfähig gestaltet, sauber getrennt und konsequent gesammelt werden.
Welche Kunststoffe lassen sich recyceln?
Am besten recycelbar sind in der Regel Thermoplaste, also Kunststoffe, die sich unter Wärme erneut verformen lassen. Dazu zählen viele für Verpackungen wichtige Materialien wie PET, PE oder PP. Schwieriger wird es bei stark verschmutzten Materialien, Mehrschicht- und Verbundverpackungen, Duroplasten oder klassischen Elastomeren. Hier sinken Sortenreinheit und Materialqualität, was die Verwertung aufwendiger und teurer macht.
| Kunststoff | Typische Anwendung | Recyclingfähigkeit | Besonderheit |
|---|---|---|---|
| PET | Getränkeflaschen | Sehr gut | Hohe Nachfrage nach Rezyklat |
| PE | Folien, Versandbeutel | Gut | Besonders relevant im Versand |
| PP | Verschlüsse, Verpackungen | Gut | Häufig im Lebensmittelbereich |
| PVC | Technische Anwendungen | Schwierig | Problematisch bei Sortierung |
| Verbundmaterialien | Mehrschichtverpackungen | Schlecht | Hoher Trennaufwand |
Was passiert mit Plastik nach der Entsorgung?
Nach der Sammlung werden die Abfälle sortiert, nach Materialarten getrennt, zerkleinert, gereinigt und je nach Verfahren weiteraufbereitet. Beim mechanischen Recycling entstehen daraus Mahlgut, Flakes oder Granulat, das anschließend wieder verarbeitet wird. Beim chemischen Recycling werden Polymere stärker zerlegt, sodass neue Rohstoffe für die chemische Industrie entstehen können. Nicht recyclingfähige oder falsch getrennte Abfälle landen häufig in der energetischen Verwertung.
Wie oft kann Kunststoff recycelt werden?
Eine pauschale Zahl gibt es nicht. Wie oft Kunststoff recycelt werden kann, hängt von Polymerart, Verschmutzung, Zusatzstoffen, Sortenreinheit und den Qualitätsanforderungen des Zielprodukts ab. Grundsätzlich gilt: Je sauberer und homogener der Stoffstrom, desto besser lässt sich Material erneut nutzen. In der Praxis ist Kunststoff also nicht unbegrenzt, aber oft mehrfach recycelbar – besonders dann, wenn Produkte und Verpackungen von Anfang an recyclinggerecht gestaltet sind.
Warum ist Kunststoff recyceln so wichtig?
Tatsächlich werden in Europa nur 30 Prozent aller Plastikabfälle fürs Recycling gesammelt. Wiederum die Hälfte der für das Recycling gesammelten Kunststoffe wird in Länder außerhalb der EU exportiert. Zum Großteil wird der Plastikmüll aber zur Energiegewinnung verbrannt oder einfach nur deponiert. Dabei entstehen hohe Verluste für Wirtschaft und Umwelt, denn schätzungsweise gehen 95 Prozent des Wertes von Plastikverpackungsmaterialien nach einem kurzen, oft einmaligem Nutzungszyklus verloren. Hinzu kommt die hohe CO2-Belastung durch die Herstellung und Verbrennung von Plastik in Höhe von rund 400 Millionen Tonnen weltweit.
Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken hat sich die EU mit dem Kreislaufwirtschaftspaket ehrgeizige Ziele gesetzt:
- Bis 2025 sollten mindestens 55% der Siedlungsabfälle (aus Haushalten und Unternehmen) recycelt werden. Das Ziel wird bis 2030 auf 60% und bis 2035 auf 65% steigen.
- 65% der Verpackungsmaterialien müssen bis 2025 und 70% bis 2030 recycelt werden. Für die unterschiedlichen Verpackungsmaterialien wie Papier und Pappe, Kunststoffe, Glas, Metall und Holz werden gesonderte Ziele festgelegt:
| Bis 2025 | Bis 2030 | |
| Alle Verpackungen | 65% | 70% |
| Plastik | 50% | 55% |
| Holz | 25% | 30% |
| Eisenmetalle | 70% | 80% |
| Aluminium | 50% | 60% |
| Glas | 70% | 75% |
| Papier und Pappe | 75% | 85% |
Aktuell stellt sich die Situation in Deutschland laut Umweltbundesamt so dar: 99,4 Prozent der jährlich anfallenden rund 5,7 Millionen Tonnen an Kunststoffmüll werden wiederverwertet. Dabei unterscheidet die oberste deutsche Umweltbehörde in die Kunststoffabfälle, die:
- roh- und wertstofflich genutzt werden. Das waren 35 Prozent (bzw. 5,67 Mio. t) im Jahr 2021.
- energetisch verwertet werden (64,4 Prozent) – der Großteil davon landet in Müllverbrennungsanlagen
- beseitigt werden (0,6 Prozent)
Arten von Kunststoffen
Welche Kunststoffarten gibt es?
Für den Praxisalltag ist die Einteilung in Thermoplaste, Duroplaste und Elastomere am hilfreichsten:
- Thermoplaste lassen sich erwärmen und erneut formen. Sie sind für das Recycling besonders relevant.
- Duroplaste sind stark vernetzt und lassen sich nicht einfach wieder aufschmelzen.
- Elastomere sind elastisch verformbar, aber ebenfalls nicht wie Thermoplaste erneut schmelzbar.
Was bedeuten die Recyclingcodes 1–7?
Die bekannten Codes geben einen Hinweis auf das Material:
- 1 PET – zum Beispiel Getränkeflaschen
- 2 PE-HD / HDPE – etwa Kanister oder robuste Flaschen
- 3 PVC – zum Beispiel Rohre oder bestimmte technische Anwendungen
- 4 PE-LD / LDPE – häufig bei Folien und Beuteln
- 5 PP – oft bei Lebensmittelverpackungen und Verschlüssen
- 6 PS – etwa Becher, Schalen oder Hartteile
- 7 Other – sonstige Kunststoffe oder Materialmischungen
Wichtig für den Beitrag: Der Recyclingcode ist ein Materialhinweis, aber keine alleinige Entsorgungsanweisung. Für die Kunststoffentsorgung zählt im Alltag vor allem, ob es sich um eine gebrauchte, restentleerte Verpackung handelt und welches Sammelsystem vor Ort gilt.
Welche Kunststoffe sind nicht oder nur schwer recycelbar?
Problematisch sind vor allem Verbundmaterialien, stark verschmutzte Kunststoffabfälle, bestimmte Duroplaste, klassische Elastomere und Materialkombinationen, die sich nur schwer trennen lassen. Gerade Mehrschicht- oder Verbundverpackungen erschweren die sortenreine Aufbereitung und damit die hochwertige Verwertung.
Ist Biokunststoff recycelbar?
Nicht automatisch. Biobasiert heißt nicht automatisch biologisch abbaubar, und biologisch abbaubar heißt nicht automatisch für die Biotonne geeignet. Das Umweltbundesamt weist ausdrücklich darauf hin, dass biobasierte Kunststoffverpackungen in der Regel ebenfalls in Gelbe Tonne oder Gelben Sack gehören und möglichst dem werkstofflichen Recycling zugeführt werden sollten.
Kunststoff richtig trennen und entsorgen
Wie trennt man Kunststoff richtig?
Für Verpackungen gilt: In Gelbe Tonne oder Gelben Sack gehören ausschließlich gebrauchte und restentleerte Verpackungen, die nicht aus Papier, Pappe, Karton oder Glas sind. Verpackungsbestandteile sollten – wenn möglich – getrennt werden, damit Sortieranlagen die Materialien besser erkennen und erfassen können.
Gehören Plastikverpackungen in den Gelben Sack oder die Gelbe Tonne?
Ja, sofern es sich um restentleerte Verkaufsverpackungen aus Kunststoff, Metall oder Verbundmaterial handelt. Was genau vorhanden ist – Gelber Sack, Gelbe Tonne oder regional eine Wertstofftonne – hängt von der Kommune ab. Inhaltlich gilt aber dieselbe Grundregel: Was gehört in welche Tonne?.
Müssen Kunststoffverpackungen ausgewaschen werden?
Nein. Verpackungen sollten restentleert, aber nicht ausgespült werden. Auslöffeln, auskratzen oder entleeren reicht in der Regel aus. Das spart Wasser und entspricht den gängigen Trennhinweisen der Sammelsysteme.
Wohin mit Plastik ohne Recyclingcode?
Fehlt ein Code, ist das noch kein Zeichen dafür, dass das Material nicht recycelbar ist. Entscheidend ist zuerst die Frage: Ist es eine Verpackung? Wenn ja und sie ist restentleert, gehört sie in der Regel in Gelbe Tonne oder Gelben Sack. Wenn nein, greifen häufig andere Entsorgungswege oder regionale Wertstofftonnen.
Was passiert bei falscher Mülltrennung?
Fehlwürfe verschlechtern die Sortierqualität und senken die Chance auf hochwertiges Recycling. Das Umweltbundesamt betont, dass nur das Zusammenspiel aus besser recyclingfähigen Verpackungen, moderner Sortiertechnik und konsequenter Mülltrennung zu mehr stofflicher Verwertung führt. Für Unternehmen ist das auch intern relevant: Schlechte Trennung erhöht Entsorgungskosten und verringert die Qualität von Wertstoffen aus Altkunststoffen.
Der wirtschaftliche Hebel ist erheblich: Eine Studie des Grünen Punkts und des RWI beziffert den jährlichen ökonomischen Nutzen des dualen Systems in Deutschland auf rund 960 Millionen Euro. Durch optimierte Sammlung, Sortierung und hochwertigeres Recycling könnte dieser Nutzen laut Studie auf bis zu 1,3 Milliarden Euro steigen.
Zusätzlich wächst der Markt für hochwertige Kunststoffrezyklate stark: Laut Studie könnte sich das Marktvolumen für Rezyklate bis 2030 auf bis zu 1,4 Milliarden Euro entwickeln.
Für Unternehmen bedeutet das: Wer Verpackungen und Wertstoffströme sauber trennt, reduziert nicht nur Entsorgungskosten, sondern verbessert langfristig auch Recyclingfähigkeit, Materialqualität und Ressourceneffizienz.
Praxistipps zur Mülltrennung für Unternehmen
In vielen Unternehmen scheitert gute Mülltrennung nicht an fehlender Motivation, sondern an Zeitdruck, unklaren Prozessen und zu komplexen Sammelsystemen.
Von diesen Maßnahmen profitieren Unternehmen nicht nur ökologisch, sondern häufig auch wirtschaftlich durch geringere Entsorgungs- und Sortierkosten:
- farblich gekennzeichnete Sammelbehälter direkt an Verpackungs- und Kommissionierplätzen
- großflächige Piktogramme statt rein textbasierter Beschriftungen à im Lager oft multilinguales Personal, Zeitdruck, Schichtbetrieb, Aushilfen
- getrennte Erfassung von Folien, Kartonagen, Umreifungsbändern und Mischabfällen
- regelmäßige Schulungen und kurze Recycling-Guides für Mitarbeitende
- feste Verantwortlichkeiten für Recycling- und Entsorgungsprozesse
- interne Audits zur Kontrolle von Fehlwurfquoten
- Verdichtungssysteme für Folien und Kartonagen zur Volumenreduktion à Ballenpressen, Folienverdichter, Kartonpressen à spart Transportkosten, Containerleerungen, Lagerfläche
- standardisierte Verpackungsmaterialien zur besseren Sortierbarkeit
- möglichst wenige Materialmischungen im Versandprozess
- zentrale Sammelpunkte statt vieler kleiner Mischbehälter
Viele Unternehmen unterschätzen außerdem den Einfluss des Verpackungsdesigns. Bereits kleine Änderungen – etwa der Verzicht auf unnötige Verbundmaterialien oder leichter ablösbare Etiketten – können die spätere Recyclingfähigkeit deutlich verbessern.
Recyclingverfahren
Wie funktioniert Kunststoffrecycling technisch?
Typisch sind mehrere Prozessschritte: Erfassen, Sortieren, Zerkleinern, Waschen, Aufbereiten und Wiedereinsatz. Das Ziel ist, aus den Abfällen wieder ein Material mit definierter Qualität zu machen. Dabei fallen je nach Verfahren auch Nebenprodukte oder Reststoffe an, die getrennt behandelt werden müssen.
Was ist mechanisches Recycling?
Beim mechanischen Recycling bleibt die chemische Struktur des Kunststoffs grundsätzlich erhalten. Der Kunststoff wird sortiert, gereinigt, zerkleinert und erneut zu Granulat oder Rezyklat verarbeitet. Dieses Verfahren ist heute der wichtigste Hebel für hochwertige Kreisläufe und aus Umweltperspektive meist die beste Option, wenn saubere und sortenreine Stoffströme vorliegen.
Darum gilt mechanisches Recycling aktuell als Schlüsseltechnologie:
Das mechanische Recycling gilt derzeit als wichtigste Technologie für hochwertige Kunststoffkreisläufe. Laut Umweltbundesamt verursacht es in vielen Fällen deutlich geringere CO₂-Emissionen als die Herstellung von Neuware aus fossilen Rohstoffen.
Gerade bei sortenreinen Verpackungen lassen sich heute hochwertige Rezyklate herstellen, die heute bereits eingesetzt werden in:
- Versandverpackungen
- Folien
- Kunststoffpaletten
- Lagerbehältern
- technischen Anwendungen
- Für Unternehmen wird deshalb zunehmend entscheidend, bereits beim Verpackungsdesign auf recyclingfähige Monomaterialien zu achten.
Was ist chemisches Recycling?
Chemisches Recycling zerlegt Kunststoffe ganz oder teilweise in ihre chemischen Bausteine oder in Rohstoffe für die chemische Industrie. Das Umweltbundesamt bewertet chemisches Recycling als mögliche Ergänzung, betont aber zugleich, dass die Techniken noch nicht flächendeckend etabliert sind und ihre Rolle in der Kreislaufwirtschaft weiterhin präzisiert wird.
Was ist der Unterschied zwischen Recycling und energetischer Verwertung?
Beim Recycling bleibt das Material im Stoffkreislauf. Bei der energetischen Verwertung wird Kunststoff vor allem als Brennstoff genutzt. Das kann Abfälle zwar beseitigen und Energie liefern, führt aber nicht zu neuem Kunststoffmaterial. Für die Kreislaufwirtschaft ist Recycling deshalb grundsätzlich wertvoller als Verbrennung.
Welche Recyclingverfahren sind am umweltfreundlichsten?
Wenn Material sortenrein, sauber und technisch geeignet ist, ist werkstoffliches beziehungsweise mechanisches Recycling in der Regel am umweltfreundlichsten. Chemisches Recycling kann dort sinnvoll sein, wo mechanische Verfahren an Grenzen stoßen. Energetische Verwertung sollte eher die letzte Option sein.
Umwelt, Nachhaltigkeit und Rezyklat
Rezyklat ist ein Sekundärrohstoff aus recyceltem Kunststoff. Je nach Herkunft und Qualität kann Rezyklat in Folien, Behältern, technischen Bauteilen oder Paletten eingesetzt werden. Für Unternehmen ist Rezyklat nicht nur ein Nachhaltigkeitsthema, sondern zunehmend auch ein Einkaufs-, Design- und Compliance-Thema.
Welche Produkte bestehen aus recyceltem Kunststoff?
Das Spektrum reicht von Folien und Beuteln über Paletten bis zu technischen Produkten. Bei RAJAPACK finden sich etwa recycelte Kunststoffpaletten sowie bestimmte Folien- und Beutellösungen mit Recyclinganteil. Das ist für den Artikel wichtig, weil der Text so die Brücke von der Theorie zur praktischen Beschaffung schlägt.
Ist Recyclingplastik gesundheitlich unbedenklich?
Für Anwendungen mit Lebensmittelkontakt gelten in der EU strenge Regeln. Recycelte Kunststoffe dürfen für Lebensmittelverpackungen eingesetzt werden, aber nur unter klaren rechtlichen und qualitätssichernden Voraussetzungen. Die EFSA bewertet Recyclingverfahren, und die EU führt dafür ein Register zugelassener Verfahren.
Sind Produkte aus Rezyklat genauso hochwertig?
Nicht jedes Rezyklat ist gleich. Qualität hängt unter anderem von Ausgangsmaterial, Sortierqualität, Verfahren und Zielanwendung ab. Gerade deshalb ist die Unterscheidung zwischen PCR und PIR für Unternehmen relevant. Hochwertige Anwendungen sind möglich, wenn Materialqualität und Produktdesign zusammenpassen.
Wirtschaft und Industrie
Warum wird nicht mehr Kunststoff recycelt?
Die größten Hürden sind Materialmix, Verschmutzung, mangelnde Sortenreinheit, Qualitätsanforderungen, fehlende Nachfrage nach Rezyklaten und wirtschaftlicher Druck durch günstige Neuware. Hinzu kommen technische Grenzen bei bestimmten Abfallströmen. Genau deshalb gewinnen Design-for-Recycling, bessere Sammelsysteme und klare Vorgaben durch Gesetzgeber und Kunden an Bedeutung.
Welche Rolle spielen Unternehmen beim Kunststoffrecycling?
Eine zentrale. Unternehmen entscheiden bereits beim Verpackungsdesign, ob sich Materialien später gut trennen und verwerten lassen. Das Verpackungsgesetz verpflichtet Hersteller zu Produktverantwortung und setzt Anreize für recyclingfähigere Verpackungen und den Einsatz von Rezyklaten. Gleichzeitig bringt die neue PPWR zusätzliche Anforderungen an Rezyklateinsatz, Recyclingfähigkeit und Verpackungsreduktion.
Welche gesetzlichen Vorgaben sind besonders relevant?
Für Deutschland ist das Verpackungsgesetz zentral. Es regelt Produktverantwortung, Sammlung, Verwertung und für bestimmte Einwegkunststoffgetränkeflaschen auch Mindestrezyklatanteile: ab 2025 mindestens 25 Prozent bei PET-Einwegflaschen, ab 2030 30 Prozent bei sämtlichen Einwegkunststoffgetränkeflaschen. Auf EU-Ebene ist die PPWR der nächste große Rahmen für Verpackungsdesign und Kreislaufwirtschaft.
Wie können Unternehmen Kunststoff nachhaltiger einsetzen?
Drei Hebel sind besonders wirksam:
- Material reduzieren, ohne den Produktschutz zu gefährden.
- Monomaterial und leicht trennbare Verpackungskomponenten bevorzugen.
- Rezyklat gezielt dort einsetzen, wo Qualität, Funktion und Rechtssicherheit passen.
Damit steigt die Recyclingfähigkeit, und zugleich sinkt häufig der Aufwand in Lager, Versand und Entsorgung.
Kunststoff recyceln ist weder ein Selbstläufer noch eine reine Entsorgungsfrage. Für Unternehmen ist es ein Zusammenspiel aus Materialwahl, Design, Getrennterfassung, Verwertung und Rezyklateinsatz. Wer Kunststoffabfälle sauber trennt, recyclingfähige Verpackungen einsetzt und Rezyklat strategisch nutzt, verbessert nicht nur die Umweltbilanz, sondern auch die Zukunftsfähigkeit der eigenen Verpackungsprozesse.
Checkliste: Ist Ihre Verpackung recyclingfähig?
Unternehmen können bereits mit wenigen Fragen prüfen, wie recyclingfähig ihre Verpackungslösungen sind:
✔ Besteht die Verpackung überwiegend aus Monomaterial?
✔ Lassen sich einzelne Bestandteile leicht trennen?
✔ Werden recyclingfähige Kunststoffe wie PE oder PET verwendet?
✔ Können Etiketten, Klebebänder oder Verschlüsse leicht entfernt werden?
✔ Enthält die Verpackung bereits Rezyklat?
✔ Wird unnötiges Verpackungsmaterial vermieden?
Je mehr Fragen mit „Ja“ beantwortet werden, desto höher ist in der Regel die Recyclingfähigkeit der Verpackung.
FAQs
Kann Plastik vollständig recycelt werden?
Nein, heute noch nicht. Vor allem Verbundmaterialien, Duroplaste, Elastomere und stark verschmutzte Stoffströme setzen Grenzen. Deshalb bleiben Materialreduktion und recyclinggerechtes Design entscheidend.
Welche neuen Technologien gibt es im Kunststoffrecycling?
Vor allem bessere Sortiertechnik, optimierte Aufbereitung, chemisches Recycling und weitere Verfahren für schwer recycelbare Stoffströme. Das UBA sieht hier Potenzial, aber keinen Ersatz für hochwertiges mechanisches Recycling.
Ist Recycling besser als Kunststoffvermeidung?
Recycling ist wichtig, aber Vermeidung unnötiger Verpackung bleibt der erste Hebel. Besonders im B2B-Bereich lohnt sich daher die Prüfung, wo Material reduziert, wo wiederverwendet und wo recycelt werden sollte.
Wird es in Zukunft plastikfreie Verpackungen geben?
In manchen Anwendungen ja, in vielen nicht vollständig. Papier, Pappe, Holz oder Mehrweg sind gute, umweltfreundliche Alternativen, aber nicht für jede Schutz-, Hygiene- oder Transportanforderung geeignet. Oft ist nicht „plastikfrei“, sondern „recyclingfähig und materialgerecht“ die bessere Lösung.


