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Schutzbrille

Was macht eine gute Schutzbrille aus?

Kennen Sie das auch? Während Sie, immer hektischer werdend, Ihre Brille suchen, wird das Grinsen Ihrer Kollegen immer breiter. Warum feixen die so? Irgendjemand erbarmt sich dann schließlich und signalisiert Ihnen: Die Brille sitzt auf Ihrer Nase!

Glückwunsch: Die besten Brillen sind die, die man gar nicht merkt! Bei der Schutzbrille ist das nicht anders. Nur wenn der Trage-Komfort gegeben ist, werden die Brillen auch nach Vorschrift getragen. Für manche Berufsgruppen bedeutet das: Mehrere Stunden am Tag. Ist der Sitz der Schutzbrille unangenehm oder ist die Sicht eingeschränkt, wird sich vermutlich manch einer mehr auf Glück und (vermeintliches) Augenmaß verlassen. Mit fatalen Folgen: In 2010 wurden den gesetzlichen Unfallversicherern 24.000 arbeitsbedingte Augenverletzungen gemeldet. Beispielhaft für die gesamte Baubranche meldet die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft diese Zahlen:

Mit 21% aller gemeldeten Arbeitsunfälle sind Verletzungen am Auge die zweithäufigste Verletzungsart, nach Verletzungen an Händen/Armen. 56% der Verletzten trugen zum Unfallzeitpunkt keine Schutzbrille. Bei weiteren 22% war zwar eine Schutzbrille im Spiel, diese jedoch nicht angepasst oder für die Tätigkeit ungeeignet. Weitere 13% waren sich der Gefahr überhaupt nicht bewusst, da sie am Arbeitsgeschehen nicht unmittelbar beteiligt waren.

Die drei verschiedenen Unfallarten

Je nach anfallender Arbeit unterscheidet man drei Arten der möglichen Augengefährdung:

Die mechanische Einwirkung ((Schläge, Stöße, Stiche, Fremdkörper), die chemische Einwirkung (feste, flüssige, gasförmige Stoffe) und die Gefährdung durch optische Strahlung (Verblitzen beim Schweißen, UV-Strahlung).

Welche Brille eignet sich wofür? Und woran erkenne ich das?

Der mit 22% erschreckend hohe Anteil derjenigen, die offensichtlich mit der falschen Schutzbrille ausgestattet war, zeigt Erklärungsbedarf. In der Norm EN 166 sind alle maßgeblichen Anforderungen an den persönlichen Augenschutz geregelt (je nach Einsatzbereich darüber hinaus EN 167 bis EN 175, EN 379). Die beiden Bestandteile einer Schutzbrille (Sichtscheiben und Tragkörper) sind jeweils mit einer Kennzeichnung versehen. Aber was bedeuten die Kennzeichnungen?

Schutzbrille Kennzeichnung auf Brillenbügel

EN Norm166 SchutzbrillenStrahlung, Widerstandsfähigkeit und Sehvermögen

Für die Einordnung in die verschiedenen Schutzklassen gibt es vordefinierte Tests und Kennzahlen,  die eine Schutzbrille je nach Kategorisierung zu erfüllen hat. Insbesondere in Bezug auf mechanische Widerstandsfähigkeit (umherfliegende Teilchen, Späne…) und die Schutzstufe gegen Strahlungen (Norm EN 170) sind hier relevant. Daneben wird auch die optische Klasse kategorisiert. Sie gibt Auskunft darüber, ob und in welchem Maße die Schutzbrille möglicherweise die Sicht einschränkt. Die Klassifizierung reicht dabei von 3 (Tätigkeiten, bei denen die Brille kurzfristig getragen wird und eine optimale Sicht nicht im Mittelpunkt steht) bis 1 (Tätigkeiten, die auch über eine längere Dauer eine exzellente Sicht voraussetzen).


Asphärische und sphärische Brillen

Gerade wenn es auf ausgezeichnete Sicht ank
ommt, empfehlen sich Brillengläser mit einer asphärischen Oberfläche. Während bei einer sphärischen Krümmung der Brillengläser (die Krümmung verläuft konstant bis hin zum Rand) die Sicht in den Randbereichen immer unschärfer wird, wirken die asphärischen Brillengläser diesem Effekt entgegen. Dank abnehmender Krümmung zum Rand hin bieten asphärische Sichtgläser eine optimale Sicht im 180°-Bereich. Unabdingbar, wenn die Brille über einen längeren Zeitraum getragen wird – abgesehen von der unschärferen Sicht ist die Gefahr von Schwindelgefühl und/ oder Kopfschmerzen beim längeren Tragen der sphärischen Brillengläser deutlich höher.

Und welche Schutzbrille trage ich als Brillenträger?

 Nicht jede Schutzbrille eignet sich als Überbrille. Abgesehen vom Bequemlichkeitsfaktor sitzt die Schutzbrille eventuell auch nicht mehr dicht genug, um zum Beispiel Schutz vor seitlich einfallender Strahlung oder Feinstaub zu gewährleisten. Wird die Schutzbrille regelmäßig und für längere Zeit getragen, empfiehlt sich das Anpassen von Korrekturgläsern in jedem Fall. Gemäß der Berufsgenossenschaftlichen Regel BGR 192 gilt:

„Für kurzfristige Arbeiten über wenige Minuten können zum Beispiel Korb-, Überbrillen oder Visiere getragen werden. Kombinationen mit Korb- oder Überbrillen neigen allerdings zum Beschlagen, können dadurch zu zusätzlichen Gefährdungen führen und werden deshalb erfahrungsgemäß oft abgelehnt. Außerdem verursachen derartige Kombinationen oft Doppelbilder oder Spiegelungen“.

Ist das Tragen einer Schutzbrille über einen längeren Zeitraum für die jeweilige Tätigkeit notwendig, ist der Arbeitgeber demnach verpflichtet (§ 3 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG)) einen entsprechenden Augenschutz auch für fehlsichtige Arbeitnehmer zu gewährleisten und die Kosten für eine Korrekturschutzbrille zu tragen.