Was macht eine gute Arbeitsschutzbrille aus?

6 min lesen 06 Juni 2023
Kennen Sie das auch? Während Sie, immer hektischer werdend, Ihre Brille suchen, wird das Grinsen Ihrer Kollegen immer breiter. Warum feixen die so? Irgendjemand erbarmt sich dann schließlich und signalisiert Ihnen: Die Brille sitzt auf Ihrer Nase!
Glückwunsch: Die besten Brillen sind die, die man gar nicht merkt! Bei der Arbeitsschutzbrille ist das nicht anders.

Augenverletzungen

Nur wenn der Trage-Komfort gegeben ist, werden die Arbeitsschutzbrillen auch nach Vorschrift getragen. Für manche Berufsgruppen bedeutet das: Mehrere Stunden am Tag. Ist der Sitz der Schutzbrille unangenehm oder ist die Sicht eingeschränkt, wird sich vermutlich manch einer mehr auf Glück und (vermeintliches) Augenmaß verlassen. Mit fatalen Folgen: In 2019 wurden bei der DGUV 15.175 arbeitsbedingte meldepflichtige Augenverletzungen registriert. Beispielhaft für die gesamte Baubranche meldet die Steinbruchs-Berufsgenossenschaft diese Zahlen:

Mit 21% aller gemeldeten Arbeitsunfälle sind Verletzungen am Auge die zweithäufigste Verletzungsart, nach Verletzungen an Händen/Armen. 4600 Unfälle mit Augenverletzungen werden der Berufsgenossenschaft pro Tag gemeldet. 56% der Verletzten trugen zum Unfallzeitpunkt keine Schutzbrille. Bei weiteren 22% war zwar eine Schutzbrille im Spiel, diese jedoch nicht angepasst oder für die Tätigkeit ungeeignet. Weitere 13% waren sich der Gefahr überhaupt nicht bewusst, da sie am Arbeitsgeschehen nicht unmittelbar beteiligt waren.

Die drei verschiedenen Unfallarten

Je nach anfallender Arbeit unterscheidet man drei Arten der möglichen Augengefährdung:

Die mechanische Einwirkung
Schläge, Stöße, Stiche, Fremdkörper
die chemische Einwirkung
feste, flüssige, gasförmige Stoffe
die Gefährdung durch optische Strahlung
Verblitzen beim Schweißen, UV-Strahlung

Welche Brille eignet sich wofür? Und woran erkenne ich das?

Der mit 22% erschreckend hohe Anteil derjenigen, die offensichtlich mit der falschen Schutzbrille ausgestattet war, zeigt Erklärungsbedarf. In der Norm EN 166 sind alle maßgeblichen Anforderungen an den persönlichen Augenschutz geregelt (je nach Einsatzbereich darüber hinaus EN 167 bis EN 175, EN 379). Die beiden Bestandteile einer Arbeitsschutzbrille (Sichtscheiben und Tragkörper) sind jeweils mit einer Kennzeichnung versehen. Aber was bedeuten die Kennzeichnungen?

Strahlung, Widerstandsfähigkeit und Sehvermögen

Für die Einordnung in die verschiedenen Schutzklassen gibt es vordefinierte Tests und Kennzahlen,  die eine Arbeitsschutzbrille je nach Kategorisierung zu erfüllen hat. Insbesondere die mechanische Widerstandsfähigkeit (umherfliegende Teilchen, Späne…) und die Schutzstufe gegen Strahlungen (Norm EN 170) sind hier relevant.

Das bedeuten die Ziffern und Buchstaben auf den Brillengläsern:

Filtertyp – Tönungsstufe – Kurzzeichen Hersteller – Optische Klasse – Mechanische Festigkeit – Weitere Schutzkennzeichnung

Filtertyp

Der Filtertyp gibt Auskunft darüber, vor welchem Wellenbereich die Gläser schützen. UV-Wellen liegen in einem Bereich von 100 bis 400 nm. Eine Brille, die lediglich die Aufgabe hat, die Augen vor schädlicher UV-Strahlung zu schützen, muss mit den Ziffern 2, 2C oder 3 gekennzeichnet sein. Eine Brille mit Schutz vor Strahlung im Infrarot-Bereich hat an dieser Stelle die Kennziffer 4.

Tönungsstufe

Je höher die Ziffer, desto höher die Tönungsstufe. Stufe 1 schützt kaum vor Blendung, während Tönungsstufe 4 hohen Schutz bietet, gutes Sehen jedoch sehr erschwert.

Optische Klasse

Die optische Klasse gibt Auskunft darüber, ob und in welchem Maße die Schutzbrille möglicherweise die Sicht einschränkt. Die Klassifizierung reicht dabei von 3 (Tätigkeiten, bei denen die Brille kurzfristig getragen wird und eine optimale Sicht nicht im Mittelpunkt steht) bis 1 (Tätigkeiten, die auch über eine längere Dauer eine exzellente Sicht voraussetzen).

Mechanische Festigkeit

Wie sicher eine Brille mechanischen Einwirkungen standhält, wird gemessen, indem der Augenschutz mit einer Stahlkugel beschossen wird. Die verschiedenen Qualitäten ergeben sich aus der Fallhöhe bzw. der Geschwindigkeit der Stahlkugel: Was hält die Schutzbrille aus?

S steht für erhöhte Festigkeit: Die Brille hält einer 43 Gramm schweren Stahlkugel mit einer Fallhöhe von 1 Meter (entspricht 5,1 m/s) stand. Die Resistenz gegen Stöße wird mit einer 0,86 Gramm schweren Stahlkugel und stetig steigenden Geschwindigkeiten getestet:

F steht für resistent gegen einen Stoß mit niedriger Energie– Die Brille wird mit einer 0,86 Gramm schwere Stahlkugel mit 45 m/s beschossen – und muss Stand halten. Für die Kennzeichnung B (mittlere Energie) wird derselbe Test mit 120 m/s und für die Kategorie A (hohe Energie) mit 190 m/s ausgeführt.

Weitere Schutzklassen

Beispiele hierfür: N steht für Antibeschlag-Schutz, K für besonderen Schutz gegen Verkratzen, R steht für verstärkte Reflexion von IR (>60%).

Asphärische und sphärische Brillen
Gerade wenn es auf ausgezeichnete Sicht ankommt, empfehlen sich für eine Arbeitsschutzbrille Brillengläser mit einer asphärischen Oberfläche. Während bei einer sphärischen Krümmung der Brillengläser (die Krümmung verläuft konstant bis hin zum Rand) die Sicht in den Randbereichen immer unschärfer wird, wirken die asphärischen Brillengläser diesem Effekt entgegen. Dank abnehmender Krümmung zum Rand hin bieten asphärische Sichtgläser eine optimale Sicht im 180°-Bereich. Unabdingbar, wenn die Brille über einen längeren Zeitraum getragen wird – abgesehen von der unschärferen Sicht ist die Gefahr von Schwindelgefühl und/ oder Kopfschmerzen beim längeren Tragen der sphärischen Brillengläser deutlich höher.

Und welche Schutzbrille trage ich als Brillenträger?

Nicht jede Schutzbrille eignet sich als Überbrille. Abgesehen vom Bequemlichkeitsfaktor sitzt die Schutzbrille eventuell auch nicht mehr dicht genug, um zum Beispiel Schutz vor seitlich einfallender Strahlung oder Feinstaub zu gewährleisten. Wird die Arbeitsschutzbrille regelmäßig und für längere Zeit getragen, empfiehlt sich das Anpassen von Korrekturgläsern in jedem Fall. Gemäß der DGUV Regel 112-192 – Benutzung von Augen- und Gesichtsschutz gilt:

„Für kurzfristige Arbeiten über wenige Minuten können zum Beispiel Korb-, Überbrillen oder Visiere getragen werden. Kombinationen mit Korb- oder Überbrillen neigen allerdings zum Beschlagen, können dadurch zu zusätzlichen Gefährdungen führen und werden deshalb erfahrungsgemäß oft abgelehnt. Außerdem verursachen derartige Kombinationen oft Doppelbilder oder Spiegelungen“.

Ist das Tragen einer Arbeitsschutzbrille über einen längeren Zeitraum für die jeweilige Tätigkeit notwendig, ist der Arbeitgeber demnach verpflichtet (§ 3 des Arbeitsschutzgesetzes (ArbSchG)) einen entsprechenden Augenschutz auch für fehlsichtige Arbeitnehmer zu gewährleisten und die Kosten für eine Korrekturschutzbrille zu tragen.

Schutz der Augen ist essentiell

Wie man so schön sagt: führt man sich vor Augen dass wir rund 90% der Sinneseindrücke mit dem Auge wahrnehmen. Kein anderes Sinnesorgan vermittelt uns so viele Informationen. Umso wichtiger ist der Schutz der Augen sowohl im privaten als auch im beruflichen Umfeld mit einer Arbeitsschutzbrille.

Kommentare (1)
  1. Schutzbrillen sind für viele Arbeiten angemessen oder sogar vorgeschrieben. Genau wie Sicherheitsschuhe. Gut, dass es mittlerweile optisch ansprechende Modelle gibt.

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