Was ist CSR? Welche Rolle spielt die Logistik in diesem Prozess?

11 min lesen 02 Dezember 2022
Unter den Akronymen, die die Geschäftswelt bewegen, nimmt „CSR“ seit einigen Jahren einen wichtigen Platz ein. Hinter diesen drei Buchstaben steckt ein einfaches Konzept: Die negativen Auswirkungen eines Unternehmens auf Mensch und Umwelt zu begrenzen – und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu sichern.
Dieser Artikel hilft Ihnen bei einer Bestandsaufnahme Ihres CSR-Konzepts und gibt Impulse, wie Sie CSR und Logistik in Einklang bringen können – und gibt Einblicke in RAJAs CSR-Bericht 2022.

Was ist CSR?

Die Abkürzung CSR steht für „Corporate Social Responsibility“.

2011 wurde das Konzept erstmals von der Europäischen Union definiert. In deren Mitteilung findet sich folgende Definition zu CSR:

Die freiwillige Integration sozialer und ökologischer Belange durch Unternehmen in ihre Geschäftstätigkeit und ihre Beziehungen zu Interessengruppen.sagt die Europäische Union.

Kurz gesagt können wir CSR als eine Reihe von Ansätzen definieren, die es einem Unternehmen ermöglichen, zu einer nachhaltigen Entwicklung beizutragen und einen positiven Einfluss auf die Gesellschaft auszuüben.

Was sagt das CSR-Gesetz?

RAJA hat, als Europäischer Konzern unter französischer Führung, eine ganz besondere Sichtweise auf dieses Thema. Denn: CSR ist ein in das französische Recht integriertes Konzept.

Es findet sich in …

CSR in deutschen Unternehmen?

Noch nicht ganz auf demselben Level. Eine Studie des Personaldienstleisters Randstad 2020 beleuchtete unter anderem das Thema CRS – und fand für den deutsch-französischen Vergleich dieses Bild:

Quelle: Randstad-Studie „Wettbewerbsfähigkeit deutscher und französischer Industrieunternehmen“

Die Studie belegt außerdem, dass nur 58% der deutschen Unternehmen für sich selbst Ethik-Richtlinien festgelegt haben, während es in Frankreich 73% sind. Klar: Diese Zahl belegt nur, ob diese Richtlinien ausformuliert wurden und einen Weg in die Firmenwerte gefunden haben, nicht aber, ob diese Werte gelebt werden. Und das Bewusstsein für diese Themen wächst. Das zeigt sich auch darin, dass junge, gut ausgebildete Fachkräfte bei der Entscheidung für einen Arbeitgeber den CSR-Aspekten sehr viel Wert beimessen. Zu Zeiten von Fachkräftemangel und einem Arbeitnehmermarkt ist die Positionierung zu Nachhaltigkeit in Bezug auf ökologische, soziale und kulturelle Ressourcen also ein echter Wettbewerbsvorteil.

Deutsche Unternehmen erkennen zusehends, dass eine fundierte CSR-Strategie eine Win-Win-Situation darstellt. Denn nicht nur die Umwelt und die Gesellschaft profitieren von den implementierten Maßnahmen und Initiativen, sondern auch die Unternehmen selbst.Carlotta Köster-Brons, Leiterin des Hauptstadtbüros bei Randstad Deutschland
(https://csr-reporter.de/frankreichdeutschlandunternehmensverantwortung/)

Rechtliche Grundlagen des CSR und Lieferkettensorgfaltsgesetz – was ist das?

In Deutschland gilt seit 2017 das sogenannte CSR-Richtlinie-Umsetzungsgesetz. Darin werden insbesondere große börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigen dazu aufgefordert, Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen offenzulegen. Ziel ist die Achtung der Menschenrechte und die Bekämpfung von Korruption und Bestechung.
(https://www.csr-in-deutschland.de/)

Darüber hinaus hat der Deutsche Bundestag 2021 ein Gesetz zur unternehmerischen Sorgfaltspflicht in Lieferketten ausgearbeitet. Dieses Gesetz wird mit dem 01.01. 2023 in Kraft treten mit dem Ziel, „Menschenrechte und Umwelt in der globalen Wirtschaft besser zu schützen“. (haufe.de)

Eine gute Gelegenheit für deutsche Unternehmen, um Strukturen und Organisationen im Unternehmen an dieses Gesetz anzupassen und, darüber hinaus, entweder CSR-Richtlinien auszuarbeiten und zu formulieren bzw. existierende CSR-Richtlinien zu überarbeiten. (haufe.de)

Diese Richtlinien regeln in Deutschland das Thema CSR:

  • ILO-Grundsatzerklärung über Unternehmen und Sozialpolitik: Diese enthalten Grundsätze für Regierungen und Unternehmen über Sicherheit, Arbeitsrecht, Arbeitsbedingungen und Bekämpfung sozialer Missstände wie Zwangs- und Kinderarbeit. Unternehmer können die Grundsätze als Richtlinien betrachten.
  • OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen: Diese bieten den Unternehmern einen Verhaltenskodex für Auslandsinvestitionen und für die Zusammenarbeit mit ausländischen Zulieferern und beschreiben, was bei ihren weltweiten Aktivitäten im Umgang mit Gewerkschaften, im Umweltschutz, bei der Korruptionsbekämpfung oder der Wahrung von Verbraucherinteressen erwartet wird.
  • ISO 26000: Dies ist ein Leitfaden, der grundlegende Orientierung bei der Umsetzung von CSR bietet.
  • ISO Norm 45001:2018 „Managementsysteme für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz – Anforderungen mit Anleitung zur Anwendung“. Sie dient zur Einführung straffer und effizienter Prozesse zur Verbesserung der Arbeitssicherheit in globalen Versorgungsketten.

(Quelle: haufe.de)

Die ISO 26000 und die Säulen der CSR

Es ist die Norm ISO 26000 , die Geschäftsstandards regelt und die den Umfang der Corporate Social Responsibility definiert.

In diesem Zusammenhang werden 7 Bereiche von CSR hervorgehoben:

  • Unternehmensführung
  • Umwelt
  • Menschenrechte
  • Arbeitspraktiken
  • Faire Betriebs- und Geschäftspraktiken
  • Konsumentenanliegen
  • Einbindung und Entwicklung der Gemeinschaft

(Quelle: https://www.business-wissen.de/hb/din-en-iso-26000-als-leitfaden-und-standard-der-csr/)

Um den ISO 26000-Standard zu erhalten, müssen Unternehmen diese 7 Säulen genau befolgen. Viele Unternehmen halten sich jedoch an diese Richtlinien, ohne diesen Standard erreichen zu wollen.

Obwohl der CSR-Ansatz oft auf Initiative der Geschäftsleitung des Unternehmens vorangetrieben wird, spielt die Transport- und Logistikabteilung eine entscheidende Rolle bei der Umsetzung dieser Strategie.

RAJA und CSR

Auf unserer Gruppen-Website erklären wir unser eigenes CSR Konzept ausführlich. Das Verständnis, was dem Ansatz zugrunde liegt, erklärt Danièle KapelMarcovici, CEO des Familienunternehmens RAJA: 

Unser Ziel ist es, dass sich unsere Kunden in ganz Europa bei ihren Wünschen nach Verpackungen, Betriebsmitteln und sonstigem Zubehör direkt an uns wenden und wir dabei einen wichtigen Beitrag zum ökologischen Wandel leisten. Unsere Werte, unser Fokus und unser Wachstum beruhen auf der Zufriedenheit unserer Kunden, der Qualität unserer Produkte, der Exzellenz unserer Dienstleistungen und unserem Engagement für die Gesellschaft und die nachhaltige Entwicklung.aus dem RAJA CSR Report 2022
Mehr unter https://www.raja-group.com/de/unser-engagement – dort finden Sie auch den kompletten, 135 Seiten starken CSR-Bericht RAJA 2022 zum Download.

Ein paar konkrete Beispiele:

  • Nachhaltige Einkaufspolitik – 86% unserer Produkte beziehen wir aus Europa. Das garantiert kurze Transportwege.
  • Konstanter Ausbau der Anzahl nachhaltiger Produkte (im Einklang zu den 5R – siehe weiter unten erklärt)
  • RAJAs sehr breites Sortiment bedeutet für unsere Kunden, dass sie sich „alles“ bzw. den Großteil seines Bedarfs von einem Lieferanten liefern lassen können. Die gebündelte und koordinierte Lieferung bei einem und nicht mehreren kleinen Lieferanten aus verschiedenen Regionen bedeutet weniger Transportkilometer und weniger CO2
  • RAJA wählt seine Lieferanten nach CSR-Kriterien. 100% unserer Lieferanten haben die Charta zur verantwortlichen Beschaffung und nachhaltiger Entwicklung unterzeichnet.
  • Unser Zentrallager in Tongeren hat eine Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach nachgerüstet, mit dem es für alle Lagerprozesse autark Energie produzieren kann.
  • Der Anteil Frauen unter den Beschäftigten beträgt bei RAJA 51%. Die angenehme Arbeitsatmosphäre resultiert unter anderem aus gelebter Gleichberechtigung, regelmäßigen Schulungen zur Personalentwicklung, aktiver Mitgestaltung aller Mitarbeiter am Unternehmen und an Themen wie Konfliktkultur, Fehlerkultur, Kommunikation…
  • Rajapack DE (sowie auch die RAJA Gruppe) übernimmt gesellschaftliche Verantwortung durch Unterstützung versch. gemeinnütziger Organisationen.
  • Wir messen unseren lokalen CO² Fußabdruck am Standort Ettlingen und arbeiten daran diesen weiter zu reduzieren.

CSR und Logistik – fünf Tipps zur Umsetzung

1 – Setzen Sie eine CSR-orientierte Beschaffungsstrategie ein

 

Ihre logistische CSR-Strategie beginnt bereits einen Schritt vor Ihrer Lieferkette, nämlich bei Ihrer Beschaffung:

Achten Sie darauf, Dienstleister zu wählen, die sich der CSR verschrieben haben und die strengste Standards in Bezug auf Menschenrechte, ökologische Verantwortung und wirtschaftliche Fairness einhalten. Nennen Sie klar die erwarteten Standards und zögern Sie nicht, ihre Dienstleister nach deren Labels und Standards zu fragen, sie sind Zeichen des Engagements für eine nachhaltige Entwicklung.

2 – (Re-) Strukturieren Sie Ihr Lager nach Umweltaspekten

 

Auch die Logistikorganisation Ihres Lagers kann zur CSR-Strategie Ihres Unternehmens beitragen.

Respektieren Sie nicht nur die Natur und die Anliegen der Gemeinden rund um Ihren Lagerort, sondern …

  • Überprüfen Sie Ihr Bestandsmanagement und Ihre Kommissioniermethode, damit sie die Bewegungen im Lager und damit den Einsatz von energieverbrauchenden Transportgeräten einschränken.
  • Führen Sie Umbauten durch, um Energie zu sparen, wie z. B. den Austausch von Lampenoder den Einbau automatischer Türen, die Wärmeverluste verhindern.
  • Installieren Sie die notwendige Ausrüstung, um das Abfallmanagement im Lager zu verbessern.

3 – Arbeiten Sie am Wohl Ihrer Bediener

 

Die Kombination von CSR und Logistik bedeutet auch, sich mit den Arbeitsbedingungen Ihrer Bediener und Kommissionierer zu befassen. Dabei geht es – natürlich – um die unbedingte Gewährleistung von Sicherheit am Arbeitsplatz, aber auch um die Sicherstellung und Verbesserung der Lebensqualität am Arbeitsplatz (QVT).

Zu den zu ergreifenden Maßnahmen gehören daher Maßnahmen wie die Bekämpfung von Muskel-Skelett-Erkrankungen, aber auch ein managementorientiertes Wohlbefinden am Arbeitsplatz: So werden in einer „gesunden“ Unternehmenskultur neben den „physischen“ Arbeitsbedingungen auch Themen wie Gleichberechtigung und zum Beispiel das Recht auf Fehler berücksichtigt und vorangetrieben.

 

Tipp:
Wenn Sie Ihre Lagerverwaltung mithilfe einer präzisen Methode optimieren, können Sie die physischen Abläufe erheblich verbessern. Darüber hinaus steigern Sie damit die Leistungsfähigkeit Ihrer Kommissionierung und verringern die Belastung Ihrer Mitarbeiter durch das Kommissionieren. Um eine verantwortungsvolle Logistik zu gewährleisten, sollten Sie Ihr Lager nach der ABC-Methode organisieren. Dabei handelt es sich um die von Logistikabteilungen am häufigsten verwendete Lagermethode. Sie berücksichtigt im Wesentlichen diese Punkte:

• Die Umschlagshäufigkeit Ihrer Artikel: Je häufiger sie „gepickt“ werden, desto näher sollten sie am Kommissionierbereich für Pakete liegen.

• Das Gewicht Ihrer Waren: Je schwerer sie sind, desto niedriger sollten sie auf Ihren Racks und Regalen organisiert werden, um die Handhabung zu erleichtern.

4 – Setzen Sie eine umweltbewusste Verpackungsstrategie ein

Die Verpackung ist wohl der einfachste Hebel für eine CSR-orientierte Logistikstrategie. Tatsächlich ist es einfach, umweltfreundlichere Alternativen zu Ihrer derzeitigen Verpackung zu finden, ohne Ihre Logistikprozesse zu stören.

Befolgen Sie dazu die 5R-Verpackungsmethode:

  • R wie Reduce: Finden Sie Verpackungen, die den Rohstoffverbrauch reduzieren, indem Sie beispielsweise Kartons wählen, die an die Größe Ihrer Waren angepasst sind, oder indem Sie sich für Kartons mit variabler Höhe entscheiden.
  • R wie Reuse: Wählen Sie so schnell wie möglich wiederverwendbare Verpackungen, wie z. B. E-Commerce-Verpackungen für den Hin- und Rückversand oder Kunststoff-behälter anstelle von Kartons, um Ihre Produkte zu lagern.
  • R wie Replace: Ersetzen Sie Ihre Verpackung durch umweltfreundlichere Verpackungs-Alternativen, indem Sie sich beispielsweise für eine Papierhülle anstelle einer Kunststoffhülle entscheiden.
  • R wie Renew: Verwenden Sie Verpackungen aus nachwachsenden Rohstoffen wie Mais-, Erbsen- oder Kartoffelstärke, oder sogar recycelten Materialien.
  • R für Recycle: Wählen Sie recycelbare Verpackungen, auf denen die Anweisungen zum Ende der Lebensdauer deutlich angegeben sind.

5 – Definieren Sie eine nachhaltigere Transportstrategie für den Planeten

Der Güterverkehr ist unbestreitbar die Phase der Lieferkette, die den allgemeinen CO2-Fußabdruck von Unternehmen am stärksten aufbläht. Daher ist es von großem Interesse, eine umweltbewusste Transportstrategie in Betracht zu ziehen, um Ihre CO2-Emissionen so weit wie möglich zu reduzieren .

Zu den Gewinnstrategien in diesem Bereich gehören…

  • Überwachung der Emissionen Ihrer Spediteure
  • Reduzierung des Volumengewichts Ihrer Verpackung
  • Öko-Planung Ihrer Verkehrsmittel

Konkrete Ansätze für eine nachhaltigere Transportstrategie

 Wenn möglich, gehen Sie diese Punkte an:

  • Ersetzen Sie Ihren Fuhrpark durch Transportmittel mit verantwortungsvolleren alternativen Energien, um die Luftverschmutzung zu reduzieren. Insbesondere in städtischen Gebieten bieten Transportunternehmen die Bereitstellung von weniger umweltbelastenden Transportmitteln an, wie beispielsweise Fahrradkuriere, Lastenfahrräder, Hybridfahrzeuge oder Fahrzeuge, die mit Erdgas für Fahrzeuge (NGV) betrieben werden.
  • Wechseln Sie zum Doppelanhängerstatt des herkömmlichen Einzelanhängers. Ihr Kraftstoffverbrauch wird zwar höher sein als bei einem Lkw mit einem Anhänger, aber immer noch niedriger als bei zwei Lkw mit einem Anhänger. Sie müssen sich jedoch für jedes Versandland erkundigen, welche Vorschriften und möglicherweise Einschränkungen für diese EuroCombi, Lang-LKW oder Megaliner gelten.
  • Leerrücklauf möglichst vermeiden. Sie sind ein echtes Problem für Transportunternehmen, da leere Rücksendungen eine Umweltbelastung darstellen, die durch die Wahl einer geeigneten Tracking-Lösung vermieden werden kann. Gute Tracking-Lösungen lokalsieren andere Pakete, die auf dem Weg angenommen und ausgeliefert werden müssen. Dasselbe gilt für Ihre Palettenstrategie: Unternehmen wie MagicPallet bieten eine Lösung zur Lokalisierung und zum Tausch von Paletten an, um die CO2-Emissionen im Zusammenhang mit Palettenrückläufen zu reduzieren.
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