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Titelbild-Helme

Arbeitsschutz auf Baustellen – Schutzhelme

Karlsruhe wird ja gerne als Baustellenhauptstadt Deutschlands bezeichnet und das sicher nicht zu Unrecht. Auch uns kommt das oft so vor wenn wir auf dem Weg zu Rajapack nach Ettlingen mal wieder im Stau stehen. Grund genug uns einmal genauer mit dem Thema Baustellen zu beschäftigen. Denn auf Baustellen kommen zahlreiche Materialien zum Einsatz die wir nur zu gut kennen: Paletten, Kartons, Cutter, Leitern…und natürlich Arbeitsschutzkleidung. Und die ist auf dem Bau von ganz entscheidender Bedeutung

Die Persönliche Schutzausrüstung als Bestandteil des Arbeitsschutzes

Mit dem „Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit“ (kurz Arbeitsschutzgesetz ArbSchG) soll die Gesundheit aller Beschäftigten gesichert und verbessert werden. Ein wesentlicher Bestandteil des Arbeitsschutzes ist die Gefährdungsbeurteilung. Alle Arbeitgeber sind verpflichtet eine angemessene Gefährdungsbeurteilung für alle Arbeitsplätze durchzuführen und zwar unabhängig von der Anzahl der Beschäftigten. Entsprechend dieser Beurteilung müssen Schutzmaßnahmen für die Arbeitnehmer ergriffen werden. Ein Bestandteil ist die Persönliche Schutzausrüstung (PSA). Darunter fällt jede Ausrüstung, die vor einer Gefährdung für Sicherheit und Gesundheit schützen, sowie die damit verbundene Zusatzausrüstung. Die Persönliche Schutzausrüstung und ihre Benutzung werden in den DGUV-Regeln geregelt.

Arbeiten auf Baustellen sind im Vergleich zu anderen Wirtschaftszweigen mit sehr hohen Verletzungsrisiken verbunden. Daher gibt es für Baustellen eine spezielle Baustellenverordnung zur Planung und Umsetzung des Arbeitsschutzes.

Im Baugewerbe bestehen zahlreiche Gefahren die eine angemessene Arbeitskleidung unerlässlich machen. Neben Fußschutz, Absturzsicherung sind Atemschutzmasken, Schutzhandschuhe, Hautschutz, Schutzkleidung, Augen- und Gesichtsschutz, Knieschutz, Gehörschutz und natürlich der Kopfschutz ganz entscheidend. Der Kopf muss also gewissermaßen gut „verpackt“ werden. Und beim Verpacken wissen wir Bescheid.

Schutzhelme für den Bau

12.600 Arbeitsunfälle mit Kopfverletzungen hat die BG Bau 2013 registriert. Die Gefahren die einen Kopfschutz auf Baustellen notwendig machen sind besonders zahlreich: Gegenstände können herunterfallen, pendeln oder wegfliegen und die Gefahr sich den Kopf zu stoßen ist sehr hoch. Industrieschutzhelme sind daher absolut notwendig und müssen somit vom Arbeitgeber bereitgestellt werden.
Die Schutzhelme bestehen aus einer äußeren Helmschale und einer Innenausstattung. Die Helmschale nimmt die von außen wirkenden Kräfte auf und leitet sie auf die Innenausstattung weiter. Bauhelme müssen der DIN Norm EN 397 (Industrieschutzhelme) entsprechen und damit die folgenden Grundanforderungen erfüllen:

  • Stoßdämpfung um vor herabfallenden Gegenständen oder pendelnden Lasten zu schützen
  • Durchdringungsfestigkeit zum Schutz vor Spritzern und gegen Schmutz, aber auch vor spitzen und scharfen Gegenständen
  • Flammbeständigkeit
  • Gewährleistung des Sitzes am Kopf durch eine verstellbare Innenausstattung

Die Innenausstattung besteht meist aus einer Sechs-Punkt-Textilbandaufhängung sowie einem Drehradsystem für die Weitenregulierung. Variable Ventilationsöffnungen sorgen für eine gute Belüftung auch bei wärmeren Temperaturen.

Quelle: BGBau (http://www.bgbau-medien.de/bausteine/e_602/e_602.htm)

Viele Helme erfüllen zusätzliche Schutzfunktionen wie  zum Beispiel:

  • Schutz bei sehr niedrigen Temperaturen (bis -30°C) oder sehr hohen Temperaturen (+150°C)
  • bestimmte elektrisch isolierende Eigenschaften z.B. bis 440 V.

Zusätzlich müssen Industrieschutzhelme mit einer Kennzeichnung versehen sein, die folgende Informationen enthalten:

  • Das CE Kennzeichen sowie die Kennnummer der gemeldeten Stelle die die Produktionsüberwachung durchführt (durch die Anbringung der CE-Kennzeichnung bestätigt der Hersteller, dass das Produkt den geltenden europäischen Richtlinien entspricht)
  • Die angewendete Norm (EN 397 für Industrieschutzhelme)
  • Name und Zeichen des Herstellers
  • Jahr und Quartal der Herstellung
  • Typbezeichnung des Herstellers
  • Größe oder Größenbereich (Kopfumfang in cm)
  • Bei Industrieschutzhelmen Kurzzeichen des verwendeten Helmmaterials (z. B. PE für Polyethylen)

Beispiel der Helmkennzeichnung

Industriehelme aus thermoplastischen Kunststoffen (PE, PP, PC und ABS) sollten laut DGUV maximal 4 Jahre ab Herstellungsdatum verwendet werden, da ihre Schutzwirkung aufgrund von Faktoren wir Witterungseinflüssen, UV-Bestrahlung und Luftverunreinigung nachlässt. Nach einem harten Schlag oder wenn der Helm zu Boden gefallen ist sollte er ebenfalls sofort ausgewechselt werden, denn die Stabilität kann auch durch nicht sichtbare Veränderungen eingeschränkt sein.

Was hat es mit den Farben auf sich?

Auf Baustellen sind meist sehr viele verschiedene Arbeiter Helmen in unterschiedlichen Farben unterwegs. Und das hat einen Grund, jede Farbe steht für eine Funktion bzw. Aufgabe der jeweiligen Person auf der Baustelle. Zwar handelt es sich hier nicht um eine offizielle Vorgabe und die Helmfarbe unterscheidet sich häufig je nach Bauunternehmen und Größe der Baustelle. Bei Großbaustellen ist jedoch häufig die folgende Farbeinteilung vorzufinden:

  • Weiße Helme werden auf Baustellen häufig von Personen getragen, die keinen permanenten Zugang zur Baustelle haben oder sich nicht permanent dort aufhalten. So werden weiße Helme meist von Besuchern getragen aber auch von Angehörigen der Bauleitung oder Polieren.
  • Gelbe Helme werden meist von Maurern oder Lagerverwaltern getragen.
  • Orangefarbene von Eisenflechtern und Stahlbetonbauern, grüne Helme für Zimmerer und blaue Helme für Schlosser oder die Sanitärbranche.

Beim nächsten Stau vor der Baustelle wissen wir also ganz genau Bescheid wer da gerade arbeitet. 🙂