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Karton aus Gras: Wie ein neuer Rohstoff den Karton noch „grüner“macht

Seit der „Erfindung“ des Papiers hat sich der Herstellungsprozess stetig entwickelt. Das Prinzip jedoch ist immer das gleiche: Die Rohstoffe Zellstoff, Halbzellstoff oder, zu immer größer werdendem Anteil auch Altpapier, werden mit Wasser aufgelöst und in Einzelfasern zerlegt. Basis für den Zellstoff bietet dabei seit jeher Holz in verschiedenster Form. Schon das Verhältnis der Rohstoffe beeinflusst die späteren Papier- beziehungsweise Kartoneigenschaften. Im weiteren Verarbeitungsprozess stehen dann jeweils auch die gewünschten Eigenschaften des fertigen Papiers im Zentrum: Reinigung, Entstippung, Dispergierung, Sortierung, Mahlung, Bleichen, Färben oder die Zugabe von Hilfs- oder Leimstoffen hängen davon ab, ob am Ende reinweißes, weiches Klopapier oder möglichst stabile Kartonage hergestellt werden soll.

Kartonherstellung aus Grasfasern statt aus Holzfasern

Neu ist nun die Idee, für die Gewinnung von Zellstoff nicht Holz, sondern Gras zu verwenden. Die Idee stammt von einem Druckereifachmann aus Hennef. Uwe D’Agnone wollte Papier noch umweltschonender herstellen als bisher. Seine Suche nach der neuen Pflanzenfaser begann vor drei Jahren, als Alternative zu Holz oder Altpapier. Dabei fielen ihm und seinem Team auf:

Gras enthält nur ein Viertel so viel Lignin wie Holz! Für die Herstellung von Papier durchaus relevant: Lignine sind Stoffe, die für die Festigkeit von Pflanzenfasern verantwortlich sind. Bei der Papierherstellung muss das Lignin chemisch entfernt werden. Ein Arbeitsschritt, der bei der Herstellung von Papier aus Grasfasern, aufgrund der geringen Menge von Lignin, entfällt. Das macht die Herstellung billiger – aber vor allem umweltschonender!

Ist der Karton aus Gras auch markttauglich?

Momentan steht das erste Produkt aus Graspapier, ein Versandkarton, nach Tests an der Universität Bonn und einem Test eines namhaften Onlineversenders, kurz vor der Markteinführung.

Gerade im Bereich der Verpackung sehen die Experten von der Universität Bonn die große Chance für den neuen Rohstoff. Verpackungen werden nämlich noch stabiler, wenn der neue Rohstoff beigemischt wird. Darüber hinaus transportiert der Karton aus Gras durch Optik, Haptik, aber sogar durch den leichten Geruch nach Wiese, den „grünen Gedanken“, der hinter dem Produkt steht. Für regionale Anbieter von Obst und Gemüse beispielsweise wäre der Karton oder die Obstschale aus Gras aus der Region auch ein Marketing-Argument.

Hier ein Video zum Thema, gefunden auf 3sat.

 





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